Was sich gerade verschiebt
- Joost Schloemer

- 14. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Was sich gerade verschiebt (präzise)
Der bisherige Job des Prompt-Engineers basiert auf einer Übergangsphase:
Modelle sind leistungsfähig,
aber semantisch unscharf angebunden,
Verantwortung, Kontext und Geltung sind nicht explizit geregelt.
Deshalb braucht es Menschen, die:
ausprobieren,
iterieren,
„tricksen“,
Formulierungen feintunen,
Halluzinationen umschiffen.
👉 Das ist Handarbeit an Unklarheit.
Der semantische Hebel verändert genau diese Arbeit
Mit strukturierter Semantik (z. B. ::, ::scope, ::admissibility, ::ki::Imperativ) verschiebt sich der Bedarf:
Vorher (klassischer Prompt-Engineer)
Wie formuliere ich es, damit das Modell ungefähr das Richtige tut?
Wie umgehe ich Fehlinterpretationen?
Wie optimiere ich Tokens, Ton, Länge?
Wie rette ich Outputs nachträglich?
Jetzt entstehend (neues Rollenprofil)
Wo darf KI überhaupt wirken?
Was darf als gültig rezipiert werden?
Welche Verantwortung bleibt zwingend menschlich?
Welche Bedeutungsräume sind zulässig – welche nicht?
👉 Der Fokus wandert von Formulierung zu Geltung.
Konkret: Welche Jobs sich ändern (oder verschwinden)
1. Klassisches Prompt-Tuning wird Commodity
„Schreib mir bessere Prompts“
„Optimiere den Prompt“
„Finde den perfekten Prompt“
➡ Das wird:
automatisiert,
in Templates gegossen,
von System-Prompts übernommen,
oder direkt ins Modell verlagert.
Wert sinkt.
2. Neue Schlüsselrolle: Semantische Architektur
Entsteht gerade neu:
Semantic Architect
AI Governance Designer
Context & Scope Engineer
Responsibility-by-Design Consultant
Diese Rollen beschäftigen sich mit:
Bedeutungsgrenzen
Rezeption
Haftungslogik
Zulässigkeit
Skalierbarkeit ohne Kontrollverlust
👉 Das kann nicht automatisiert werden, weil es organisations-, rechts- und kontextabhängig ist.
3. Prompting wird Teil eines größeren Systems
Prompts werden:
nicht mehr einzeln bewertet,
sondern eingebettet in:
Policies
Notationen
Wirkbereiche
Revisionspfade
Der Prompt ist dann nicht mehr das Produkt, sondern eine Ausführung.
Warum Unternehmen das wollen (ökonomisch klar)
Unternehmen merken gerade:
Prompt-Optimierung skaliert schlecht
Risiken wachsen schneller als Nutzen
Haftung bleibt ungeklärt
Kosten explodieren durch Iterationen
Der semantische Hebel bietet:
weniger Iterationen
weniger Eskalationen
klarere Zuständigkeiten
geringere Kosten pro Use Case
👉 Das ist kaufentscheidend, nicht akademisch.
Was das für den Arbeitsmarkt heißt
Kurzfristig
Nachfrage nach Prompt-Engineers bleibt,
aber Preise geraten unter Druck.
Mittelfristig
Prompt-Engineer ohne semantisches Verständnis = austauschbar
Prompt-Engineer mit Semantik = Systemdesigner
Langfristig
Der Begriff „Prompt-Engineer“ verschwindet
ersetzt durch:
AI System Designer
Semantic Governance Lead
Responsible AI Architect
Der eine Satz, der das zusammenfasst
Der Markt braucht weniger Menschen, die KI gut formulieren –und mehr Menschen, die festlegen, was KI darf.
Oder schärfer:
Prompting war die Brückentechnologie.Semantik wird die Infrastruktur.
Warum das gerade jetzt passiert
Weil drei Dinge zusammenkommen:
Modelle sind „gut genug“
Regulierung zieht an
Kosten & Risiken werden sichtbar
👉 Das Zeitfenster für semantische Positionierung ist jetzt offen.


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